Von Peter Schreiber,
Bezirksabgeordneter
Das Eidelstedt-Center ist sichtbar in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den Standards, die der Konsument an ein modernes Einkaufscenter stellt. Umsatzrückgänge, Ladenleerstände und mangelnde Angebotsvielfalt sind die Folge und schrecken die Kundschaft noch einmal zusätzlich ab. Geschäftsleute, Grundeigentümer und Politiker rafften sich deshalb bereits in der vorletzten Legislaturperiode zur Planung des Centers-Ausbaus auf. Man brachte gemeinsam den dafür notwendigen Bebauungs-Plan Eidelstedt 71 (B-Plan E-71) auf den Weg.
Der B-Plan E-71 ging eigentlich bereits in die Zielgerade, die „Öffentliche Plandiskussion“ ist abgeschlossen, da entflammte im Frühjahr 2011 erneut die Diskussion. Die Bürgerinitiative Grünes Zentrum Eidelstedt sammelten knapp über 10.000 Unterschriften vor allem mit dem Tenor: „Rettet die Bäume“, „…die Marktfläche“, „…den Spielplatz“.
Argument Spielplatz: Den Spielplatz will der Investor auf einer Ersatzfläche im Zentrum neu bauen. Er soll zukünftig auf dem Dach des Neubaus entstehen. Das wird ebenso von der Initiative ignoriert. Viele Mütter und Väter haben sich aber gerade für den Erhalt eines Spielplatzes eingesetzt. Wie steht es also um die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der man sich so um manche Unterschrift bemüht hat?
Argument Markt: Seit Mai 2011 ist ohne jeden Zweifel klar, dass die Markfläche erhalten bleibt. Der Elan einiger Marktbetreiber für die Initiative resultierte aber nicht unwesentlich aus den Bedenken zur Flächenreduzierung.
Und die Bäume? Viele, die sich für die Center-Erweiterung einsetzen, bedauern aus unterschiedlichen Gründen den Verlust der Grünfläche. Eine Erweiterung ohne diesen Verlust ist jedoch nicht realistisch und ein Kompromiss unvermeidbar. So soll der Investor eine Ersatzfläche dafür herstellen, die aber nicht im Zentrum Eidelstedts liegt. Aber welche Erwartungen hat ein Besucher eines Einkaufszentrums? Erwartet er angemessene Verkaufsflächen und ein entsprechendes Warenangebot oder erwartet er eine Grünfläche zum verweilen? Das mag man für sich selbst entscheiden und da mag es unterschiedliche Erwartungen geben, aber es gibt auch eine Logik.
Noch so eine kleine unausrottbare Unehrlichkeit: Es soll angeblich eine Auflage zu dieser Fläche geben, dass die Eigentümerin die Grünfläche der Öffentlichkeit frei zugänglich halten soll. Dazu hat die SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung eine entsprechende Anfrage gestellt. Die Antwort war, dass es weder eine solche Auflage im B-Plan selbst, noch einen sogenannten „städtebaulichen Vertrag“ dazu gäbe.
Die Eigentümerin (MEAG/ERGO) will für den Center-Ausbau immerhin einen Betrag im zweistelligen Millionenbereich investieren und hat dafür Marktanalysen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt. Und die MEAG ist auch Eigentümerin der infrage stehenden Grünfläche von 1000 qm. Der Erfolg sanierter Einkaufszentren und die Annahme, dass ein Investor kein Geld „verbrennen“ will, sprechen eine klare Sprache.
Fazit
Die Wahrheit hat es im Leben oft schwer, gehört zu werden – auch hier! Aber ich glaube, die Menschen haben einen Anspruch auf Ehrlichkeit, Bessonders wenn sie ihre Stimme für eine „Entscheidung“ abgeben sollen. Es geht im Kern einzig um eine 1000 qm große private Grünfläche, um sonst nichts. Das müssen alle Stimmberechtigten wissen, wenn sie sich für oder gegen eine Center-Erweiterung in Eidelstedt aussprechen. Einen so ehrlich zustande gekommenen Entscheid könnten alle Demokraten ohne Wenn und Aber dann auch akzeptieren.














Die Größe der Grünfläche beträgt nicht 1.000 qm, sondern 2.640 qm. Dies ergibt sich aus der Begründung zum Bebauungsplan Eidelstedt 71:
“4. Umweltbericht
4.1. Vorbemerkungen
Das Plangebiet ist etwa 1,8 ha groß. Durch bestehende Verkehrs- und Platzflächen werden etwa 6.250 m² und durch bisher ausgewiesene Bauflächen etwa 8.840 m² in Anspruch genommen.
Die Größe der vorhandenen Grünfläche beträgt etwa 2.640 m².
Durch die Planung werden auf bisherigen Grünflächen etwa 2.640 m² neue Bauflächen ermöglicht.
4.2.4. Stadt- und Landschaftsbild
Bestandsbeschreibung
Die Grünfläche mit altem Baumbestand ist stadtbildprägend für das Plangebiet und die angrenzenden Flächen. Die Freifläche trägt den Charakter eines Überrestes eines alten Landschaftsparks und ist von besonderer Bedeutung für das Schutzgut Landschaft in einer baulich/städtisch geprägten Umgebung
Quelle: Begründung zum Bebauungsplan Eidelstedt 71
http://www.hamburg.de/contentblob/2857540/data/eidelstedt71-begruendung.pdf